Salve Abusina!

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Re: Salve Abusina!

Beitragvon iurisconsultus » Do 28. Apr 2022, 19:45

Gern mystica! :)

Kurze abschließende Anekdote:

Ich habe an der Uni ein Jahr Latein gelernt und durfte dann bei der vierstündigen Prüfung zwei Cicero-Texte (ich weiß leider nicht mehr welche) mit je 80-90 Wörtern mit einer Bearbeitungszeit von jeweils 2 Stunden übersetzen. Wir alle waren verständlicherweise mit dieser Aufgabe massiv überfordert. Trotzdem wurde meine Prüfung mit „Gut“ bewertet. Bis heute kommt mir diese Note „Lateinisch“ vor :lol: (sie haben offenbar sehr wohlwollend benotet, weil sie auch wissen, dass Latein vernünftigerweise kein Hindernis sein soll - im Römischen Recht wird seit Jahrzehnten auf Deutsch geprüft).

Später haben sie die Lateinprüfung stark abgeändert und prüfen nun vor allem Begriffe und kurze Sätze aus dem Römischen Recht. Damit lernt man zwar nicht Schullatein, aber dieser Zugang ist immerhin zweckmäßig.

Sei‘s wies sei: Seither hat mich Latein nicht mehr losgelassen. Ich bin also sehr froh, dass man mich zu Latein zwang.
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon Medicus domesticus » Do 28. Apr 2022, 20:39

Ich persönlich freue mich immer wieder über solche Diskussionen :-D Gedanken werden sich gemacht von verschiedenen Gesichtspunkten aus und Ausbildungen.
Es wurde schon angesprochen: Lateinische/ Griechische Bezeichnungen in der Medizin/Jura (Latein ist in Deutschland überhaupt keine Voraussetzung für ein Jurastudium. Das kann jeder machen) sind zwar häufig, aber für den Studenten in dem Sinne lernbar. Eine tiefere Erkenntnis ist spezielles Interesse. Warum soll man Studenten durch ein Latinum jagen, die das gar nicht brauchen? Das ist wertlos. Ein Latinum/Graecum ist für ein Lateinstudium natürlich nötig, obwohl nicht wenigen das Graecum schon eine Last ist. Archäologie mit direkten Bezügen, Theologie mit entsprechenden Quellen, das ist verständlich.
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon ille ego qui » Fr 29. Apr 2022, 10:18

obwohl nicht wenigen das Graecum schon ein Laster ist


Für die wenigsten wohl ein Laster, für viele aber eine Last ;-)
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon Medicus domesticus » Fr 29. Apr 2022, 11:09

ille ego qui hat geschrieben:
obwohl nicht wenigen das Graecum schon ein Laster ist


Für die wenigsten wohl ein Laster, für viele aber eine Last ;-)

Da habe ich mich wohl verschrieben, ille :wink:
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon mystica » Fr 29. Apr 2022, 11:18

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Re: Salve Abusina!

Beitragvon ille ego qui » Fr 29. Apr 2022, 13:28

Medicus domesticus hat geschrieben:
ille ego qui hat geschrieben:
obwohl nicht wenigen das Graecum schon ein Laster ist


Für die wenigsten wohl ein Laster, für viele aber eine Last ;-)

Da habe ich mich wohl verschrieben, ille :wink:


"Quandoque bonus dormitat Homerus."
Dir wird vergeben!
:D :)
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon Veterinaria » Fr 29. Apr 2022, 18:10

Medicus domesticus hat geschrieben:Latein ist in Deutschland überhaupt keine Voraussetzung für ein Jurastudium. Das kann jeder machen)


... dann ist wohl das offenbar erforderliche "Latinum", um in Österreich Rechtswissenschaften zu studieren, ein Relikt aus der k.u.k. Zeit ...... ;-)
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon iurisconsultus » Sa 30. Apr 2022, 07:58

Veterinaria hat geschrieben:... dann ist wohl das offenbar erforderliche "Latinum", um in Österreich Rechtswissenschaften zu studieren, ein Relikt aus der k.u.k. Zeit ...... ;-)

Ein typisch österreichischer Kompromiss: Wir halten die Latinumspflicht aufrecht, verlangen aber de facto keine ernstzunehmenden Lateinkenntnisse. :D
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon Tiberis » Sa 30. Apr 2022, 15:59

Medicus domesticus hat geschrieben:Warum soll man Studenten durch ein Latinum jagen, die das gar nicht brauchen? Das ist wertlos.

Das ist überhaupt nicht wertlos gerade im Bereich der Rechtswissenschaft, wo es von lateinischen Fachausdrücken nur so wimmelt. Da kann es nur hilfreich sein, Grundkenntnisse jener Sprache zu erwerben, in der erstmals in Europa ein umfassendes Rechtssystem entstanden ist.
Natürlich ist unstrittig, dass diese Kenntnisse nichts über die fachliche Qualifikation eines Juristen aussagen.
Dennoch: fast alle meiner ehemaligen Schüler, die später Jus studiert haben, haben mir bestätigt, dass sie durch den Lateinunterricht einen bedeutenden Startvorteil in ihrem Studium hatten gegenüber jenen, die kein Latein in der Schule hatten, umso mehr, als Texte aus dem römischen Recht immer eine große Rolle in meinem Unterricht gespielt haben. Nicht wenige meiner Schüler haben gerade deshalb Jus studiert.
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 30. Apr 2022, 16:47

Das ist vielleicht eine Motivation. Mehr nicht.
In der Medizin wimmelt es noch mehr von Lateinisch/Griechischen Fachausdrücken, noch mehr als in Jura, aber es sagt über den Beruf nichts aus. Der Startvorteil ist auch marginal. In der Medizin kein Vorteil, da der Kursus der Medzinischen Terminologie für ALLE Pflicht ist und war. Ein Kurs in der Vorklinik für ein halbes Jahr, das war es. Oder hat jemand mit Latinum einen Vorteil im Praktikum der Biologie/der Mikroskopischen Anatomie/der Chemie und Biochemie für Mediziner/der Medizinischen Psychologie usw....
In Deutschland gab es diese Voraussetzung Latinum in Jura schon lange nicht mehr. Sind diese Juristen deshalb schlechtere?
:roll:
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon iurisconsultus » Sa 30. Apr 2022, 17:21

Tiberis hat geschrieben:… Texte aus dem römischen Recht immer eine große Rolle in meinem Unterricht gespielt haben. Nicht wenige meiner Schüler haben gerade deshalb Jus studiert.

Diese Aussage ist löblich und die Richtigkeit wird außer Streit gestellt. Bei mir war‘s ironischerweise genau umgekehrt - Jus hat meine Liebe zu Latein entfacht. :)

Ansonsten bin ich mir - wie bereits erwähnt - in der Sache mit M.D. einig. Soweit lateinische Wendungen im geltenden Recht bzw. der Lehre tradiert sind, sind sie inhaltlich redundant und in Deutsch erklärt. Zwar ist es unstreitig mnemotechnisch erbaulich, die Wortfolgen auch eigenständig verdeutschen zu können. Das war‘s dann aber auch schon wieder.
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon mystica » So 1. Mai 2022, 12:17

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Re: Salve Abusina!

Beitragvon iurisconsultus » So 1. Mai 2022, 13:05

Gut mystica, um nicht länger an deinen vernagelten Grundfesten zu rütteln: Die alten Sprachen sind für alle Zeiten das unvergängliche Fundament jedweden Wissens und der philologisch unbeleckte Mob, der sich erdreistet, die Alma Mater zu erstürmen, entfaltet sich zu nichts mehr als Afterjuristen. :wink:

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Re: Salve Abusina!

Beitragvon Medicus domesticus » So 1. Mai 2022, 15:17

Dann musst du dir aber auch anschauen wie solche „Lateinkurse“ in der Uni ablaufen, mystica. Iurisconsultus hat das weiter oben schon erwähnt.
In der Medizinischen Terminologie helfen dir zwar Lateinkenntnisse zur Einordnung und evtl. lernst du die Begriffe schneller, aber einordnen musst du sie auch, in der Anatomie in einen dreidimensionalen Zusammenhang. Viele meiner Mitstudenten hatten nie Latein und konnten das auch. Es ist kein Vorteil. Ich hab mir in der Vorklinik eher gedacht: hätte ich in der Schule doch mehr Chemie und Biochemie gehabt, das war einer der Schwerpunkte.
Ein Latinum als Voraussetzung bringt heute nur etwas, wenn es direkt angewandt wird. Ein Pseudolatinum, nur um den Schein zu erwecken, ist sinnlos. Deshalb sollte man Fächer, die das nicht brauchen, entlasten, was schon getan wurde. Mir ist viel lieber ein Archäologe hat gute Lateinkenntnisse als ein Mediziner oder Jurist, der das aus Interesse ebenfalls freiwillig machen kann.
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Re: Salve Abusina!

Beitragvon mystica » So 1. Mai 2022, 16:29

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