Mentor

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Beitragvon Zythophilus » Sa 11. Apr 2015, 14:27

Das Wort "Mentor" ist beliebt, auch das davon abgeleitete englische "mentoring". So hat man auch, als wär's ursprünglich ein frz. Partizip, analog zu "trainee" o.ä. den "mentee" gebildet. Ich kann mir vorstellen, dass jemand das schöne Wort "Mentor" als Nomen agentis aufgefasst hat, statt als einen EIgennamen aus der Odyssee.
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Re: Mentor

Beitragvon Christophorus » Sa 11. Apr 2015, 19:03

Ja, das passiert bestimmt und wäre ja auch eine intelligente Fehlleistung, aufgrund der Nähe zu Tutor z.B.
Strenggenommen dürfte es dann aber den Begriff Mentorin auch gar nicht geben, in meinem gedruckten Duden suche ich ihn auch vergeblich (auf duden.online findet man ihn aber als offizielle weibliche Version), allerdings verwende ich ihn selbst auch.
Und der Begriff ist ja auch häufiger als Stentor oder Nestor, wobei ja zusätzlich letzterer auch wenig nach einem Nomen agentis klingt ...
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Re: Mentor

Beitragvon Longipes » Sa 11. Apr 2015, 19:17

Bleibt die Frage, ob der Urheber dieses missverstandenen Neologismus ein Tor oder eine Torin war; oder gar ein Tee?
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Re: Mentor

Beitragvon linhart » So 12. Apr 2015, 07:35

Torin ist ja wohl nur scherzhaft gemeint. Es gibt aber im Duden tatsächlich eine weibliche Form von Tor, nämlich Törin.

Im gedruckten Duden ist Mentorin und auch Mentee zumindest ab der 25. Auflage enthalten.
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Re: Mentor

Beitragvon Laptop » So 12. Apr 2015, 09:28

Ich denke hier spielen zwei Faktoren eine Rolle, die sich gegenseitig verstärken. Zum einen die Assoziation von gr.-lt. Mentor mit lat. mens. Zum anderen der Zufall, daß beides ähnliches bedeutet, nämlich “Schirmherr” (Mentor) ähnlich dem “lenkenden Geist” bzw. “geistigen Vater”.

Das Thema gehört zu dem alten Streit, ob man Sprache präskriptiv oder deskriptiv behandeln sollte. Soll man eingreifen und korrigieren wo man meint Verderbnisse zu sehen, oder einfach alles schleifen lassen, weil man keiner Sprach-Diktatur Vertrauen schenkt? Wie ist eure Meinung?
Zuletzt geändert von Laptop am So 12. Apr 2015, 13:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Mentor

Beitragvon consus » So 12. Apr 2015, 10:38

Salvete!
"Mentorin"] Da fällt mir als Stichwort nur GenderGaga ein*. Dann auch noch "Mentee", ein kaum zu überbietender Unfug. Dass der aktuelle, in unserem kollektiven Bewusstsein wohl immer noch nicht völlig unter Autoritätsverlust leidende Duden derartige Absurditäten meint zulassen zu müssen, regt mich schon lange nicht mehr auf. Ich benutze ihn eben nur noch, um beim Scrabblespiel, gemäß gewisser Spielregeln, in größter Not noch irgendwie ein passendes Wort zu finden.

____________________________
* Vgl. Kelle, Birgit: GenderGaga, 2015.
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Re: Mentor

Beitragvon Christophorus » So 12. Apr 2015, 10:54

linhart hat geschrieben:
Im gedruckten Duden ist Mentorin und auch Mentee zumindest ab der 25. Auflage enthalten.


Ja, kann sein, meiner ist die 24. Auflage von 2006, die erste mit einer auf Dauer verbindlichen Rechtschreibung nach jahrelangem Hickhack, das war für mich bis heute ausreichend.
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Re: Mentor

Beitragvon Zythophilus » So 12. Apr 2015, 11:26

Der Duden bildet vermutlich wie das in Österreich maßgebliche "Österreichische Wörterbuch" praktisch nur mehr das ab, was es gibt. Was an Fehlern ein paar Jahre lang praktiziert wird, wird als Norm übernommen.
Ganz ähnliche Gedanken kamen mir bei "mentee":
Consus hat geschrieben:kaum zu überbietender Unfug

Immerhin wirkt es gebildet, und so freut sich wahrscheinlich der "mentee" noch über die Unbildung, die im Gewande der Gelehrsamkeit daherkommt.
Sollte man nicht die Pensionisten - in Deutschland eher Rentner genannt - als "Nestorinnen und Nestoren" bezeichnen? Jemand, der kurz vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben steht, wäre dann ein "Nestorient".
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Re: Mentor

Beitragvon Christophorus » So 12. Apr 2015, 11:58

consus hat geschrieben:Dann auch noch "Mentee", ein kaum zu überbietender Unfug.


Dennoch wage ich mich mal an das Überbieten: Wie wäre es, in Analogie zu Tutand, Mentee durch Mentand zu ersetzen? :D
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Re: Mentor

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » So 12. Apr 2015, 12:14

Christophorus hat geschrieben:
consus hat geschrieben:Dann auch noch "Mentee", ein kaum zu überbietender Unfug.


Dennoch wage ich mich mal an das Überbieten: Wie wäre es, in Analogie zu Tutand, Mentee durch Mentand zu ersetzen? :D


Vielleicht bleiben wir doch lieber beim deutschen Schützling oder beim französischen Protégé?
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Re: Mentor

Beitragvon consus » So 12. Apr 2015, 12:21

Christophorus hat geschrieben:...Dennoch wage ich mich mal an das Überbieten: Wie wäre es, in Analogie zu Tutand, Mentee durch Mentand zu ersetzen?
Dann bitte, um nicht in Streit mit den Verfechterinnen und Verfechtern der sog. "geschlechtergerechten" Sprache zu geraten, auch noch "Mentandin" ("Menteein" geht wohl nicht). Und so könnten wir fortfahren, immer wieder neue Pflänzlein in den Hortum absurditatum zu setzen.
Zythophilus hat geschrieben:... "mentee" noch über die Unbildung, die im Gewande der Gelehrsamkeit daherkommt...
"Unbildung" oder "Umbildung"? That's the question.
So, jetzt gehe ich aber mit einem schönen Buch und einer Tasse Tee in meinen hortulum, um endlich einmal die Frühlingssonne zu genießen...
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Beitragvon cultor linguarum antiquarum » So 12. Apr 2015, 12:24

consus hat geschrieben:
Christophorus hat geschrieben:...Dennoch wage ich mich mal an das Überbieten: Wie wäre es, in Analogie zu Tutand, Mentee durch Mentand zu ersetzen?
Dann bitte, um nicht in Streit mit den Verfechterinnen und Verfechtern der sog. "geschlechtergerechten" Sprache zu geraten, auch noch "Mentandin" ("Menteein" geht wohl nicht). Und so könnten wir fortfahren, immer wieder neue Pflänzlein in den Hortum absurditatum zu setzen.


Wie wäre es einmal mit einer weiblichen Form zu Schützling? Beispielsweise „Schützlinga“, „Schützlingin“? Klingt freilich grausig, aber das klingt ja der Unfug geschlechter- und sonstallesgerechte Sprache gern.
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Beitragvon Zythophilus » So 12. Apr 2015, 13:08

Ich habe schon die "Unbildung" gemeint.
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Re: Mentor

Beitragvon Christophorus » So 12. Apr 2015, 19:16

cultor linguarum antiquarum hat geschrieben:Wie wäre es einmal mit einer weiblichen Form zu Schützling? Beispielsweise „Schützlinga“, „Schützlingin“? Klingt freilich grausig, aber das klingt ja der Unfug geschlechter- und sonstallesgerechte Sprache gern.



ich wäre ja für "Schützline"
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Re: Mentor

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » So 12. Apr 2015, 19:23

Christophorus hat geschrieben:
cultor linguarum antiquarum hat geschrieben:Wie wäre es einmal mit einer weiblichen Form zu Schützling? Beispielsweise „Schützlinga“, „Schützlingin“? Klingt freilich grausig, aber das klingt ja der Unfug geschlechter- und sonstallesgerechte Sprache gern.



ich wäre ja für "Schützline"

Klingt gut, könnte man auch als Vornamen einführen.
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